Fragen und Antworten

Bedarf

Warum ist Korridor B notwendig?

Die Vorhaben Nr. 48 und Nr. 49 des Bundesbedarfsplangesetzes verbinden die vom Gesetzgeber festgelegten Netzverknüpfungspunkte Heide/West – Polsum sowie Wilhelmshaven – Hamm und bilden damit den Korridor B. Für die Übertragung größerer Strommengen fehlen bislang die Kapazitäten in den Stromnetzen. Korridor B wird das stark beanspruchte Wechselstromnetz entlasten, indem auf direktem Weg große Leistungsmengen mittels Erdkabel-Gleichstromverbindung über eine große Entfernung transportiert werden können.

Durch die hohe installierte Leistung der Offshore-Windenergieanlagen in der Nord- und Ostsee sowie der Onshore-Windenergieanlagen wird eine erhöhte großräumige Übertragungskapazität in Richtung der deutschen Lastzentren benötigt. Ein Teil dieses Bedarfes wird durch die neue Stromverbindung gedeckt, die als Höchstspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) geplant ist. Sie verbindet die küstennahen Regionen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen mit den Verbrauchszentren in Nordrhein-Westfalen.

Die geplante HGÜ-Verbindung ist eine wesentliche netztechnische Voraussetzung für die Übertragung der erwarteten Leistungszubauten von Onshore- und Offshore-Windenergieanlagen zu den Verbrauchszentren im Ruhrgebiet. Dies ist besonders notwendig, da das Ruhrgebiet aufgrund des teilweisen Wegfalls der Erzeugungskapazitäten (aufgrund des Kohleausstiegs) zum Nettoenergieimporteur wird.

Ohne Korridor B entstünden zusätzlich enorme Engpässe im Höchstspannungsnetz in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Es könnte zudem nicht so viel Windenergie in das deutsche Stromnetz aufgenommen werden, wie energiewirtschaftlich sinnvoll wäre.

Wie teuer ist das Vorhaben und wer finanziert es?

Genau lässt sich dies erst sagen, wenn die detaillierte Trassenführung und damit auch die exakte Länge der Leitung bekannt sind. Nach bisherigen Schätzungen wird Amprion als Vorhabenträger etwa sieben Milliarden Euro investieren. Etwa ein Viertel davon entfällt auf die Konverter, die Wechselstrom in Gleichstrom umwandeln oder umgekehrt. Die Kosten werden über die Netzentgelte an die deutschen Stromverbraucher weitergegeben.

Welchen Zeitplan hat Korridor B?

Den Antrag auf Bundesfachplanung wird Amprion voraussichtlich im Sommer 2022 bei der Bundesnetzagentur (BNetzA) als zuständiger Genehmigungsbehörde einreichen. Nachdem die Entscheidung über den Verlauf des 1000 Meter breiten Korridors im Rahmen der Bundesfachplanung gefallen ist, wird Amprion die Planfeststellung beantragen. In diesem zweiten Genehmigungsverfahren legt die BNetzA den exakten Verlauf der Erdkabeltrasse innerhalb des 1000 Meter breiten Korridors fest. Die Inbetriebnahme von Korridor B ist nach drei- bis vierjähriger Bauzeit für das Jahr 2030 geplant.

Gesetzliche Grundlagen

Warum ist Amprion der alleinige Vorhabenträger?

Amprion hat nach einer Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes im Juli 2021 die alleinige Vorhabenträgerschaft für Korridor B übernommen. Laut Gesetz ist derjenige Übertragungsnetzbetreiber für die Realisierung eines HGÜ-Leitungsbauprojektes zuständig, in dessen Bereich der südliche Netzverknüpfungspunkt (Anbindung an das Wechselstrom-Übertragungsnetz) liegt.

Was ist eine Stammstrecke und warum wird eine „Stammstreckenführung“ angestrebt?

Mit „Stammstrecke“ ist die Parallelführung von Leitungsbau-Vorhaben gemeint – in diesem Fall der Vorhaben Nr. 48 und Nr. 49, die zum Korridor B gehören. Die durch den Netzentwicklungsplan ausgestaltete Kreuzung der beiden Vorhaben ermöglicht eine Überlagerung der jeweiligen Untersuchungsräume und eröffnet damit die Möglichkeit einer Parallelführung.

Durch eine Stammstreckenführung beider Vorhaben über eine gewisse Länge lassen sich Synergieeffekte im Genehmigungsprozess, beim Bau und im Betrieb nutzen. So wird im Bereich der Stammstrecke insgesamt weniger Fläche benötigt. Dadurch fällt der Umwelteingriff geringer aus, weniger private Eigentümer sind betroffen. Zudem konzentriert sich die Baustellentätigkeit an einem Ort.

Eine Stammstreckenführung beider Vorhaben ist Wunsch des Gesetzgebers. Der Vorhabenträger muss diesen Wunsch in der Planung berücksichtigen.

Technische Aspekte

Warum ist Korridor B als Höchstspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) geplant?

Gleichstromverbindungen eignen sich ideal, um große Energiemengen verlustarm und zielgerichtet über weite Entfernungen zu transportieren. Mit ihnen verbinden wir von Punkt zu Punkt Orte, an denen viel Windenergie erzeugt wird, mit Gebieten, die einen hohen Energieverbrauch haben. Mit den Gleichstromverbindungen entlasten wir das bestehende Wechselstromnetz.

Warum werden die beiden Vorhaben des Korridor B als Erdkabel ausgeführt?

Der Gesetzgeber hat den Erdkabelvorrang für Gleichstromverbindungen im Bundesbedarfsplangesetz festgeschrieben. Eine Freileitung kommt nur in Ausnahmefällen in Betracht. Da es sich bei Korridor B um Gleichstromverbindungen handelt, planen wir eine Vollverkabelung der gesamten Strecke.

Welchen Einfluss haben Erdkabel auf den Boden und die Vegetation?

Erste Erfahrungen mit der landwirtschaftlichen Nutzung auf einer Erdkabeltrasse hat Amprion in Raesfeld im Münsterland gesammelt. Sie lassen erwarten, dass es nicht zu über die Bauzeit hinausgehenden Ertragsausfällen und wesentlichen Bodenveränderungen kommen wird. Ziel des projektspezifischen Bodenschutzkonzeptes ist die möglichst uneingeschränkte Nutzung der vorwiegend landwirtschaftlich genutzten Flächen nach der Baumaßnahme. Den Erfolg dieser bodenschonenden Bauweise bestätigen ertragskundliche Messungen verschiedener gängiger landwirtschaftlicher Kulturen auf Erdkabeltrassen sowie auf experimentellen Versuchsflächen. Insgesamt verdeutlichen die Versuche, dass ein Anbau von regulären Feldfrüchten im Bereich der Erdkabeltrassen ohne Einschränkungen möglich ist, solange sie durch ihr Wurzelwerk und dessen Struktur die Schutzrohranlage nicht gefährden. Durch die bisherigen Erhebungen ergaben sich keine Hinweise auf Ertragsteigerungen oder -einbußen. Detailliertere Untersuchungen werden momentan in Raesfeld auf den Erdkabel-Pilotstrecken von Amprion durch die Landwirtschaftskammer NRW durchgeführt und ausgewertet. Erste Zwischenergebnisse zeigen, dass die Erträge insgesamt regionsüblich ausfallen.

Bezüglich der von Landwirten häufig befürchteten Bodenerwärmung durch Erdkabel zeigen die bisherigen Ergebnisse aus unseren Versuchsflächen, dass die Temperatur oberhalb der Kabel schnell abnimmt und in den oberen Bodenschichten auch bei dauerhafter maximaler Auslastung kaum Temperaturunterschiede zu messen sind. Die jahreszeitlichen und wetterbedingten Temperaturschwankungen beeinflussen die Bodenschichten deutlich stärker als die Wärmeemissionen des Erdkabels. Durch die Verwendung von geeigneten Bettungsmaterialien findet zudem eine ideale Wärmeableitung statt. Auch betriebsbedingte Änderungen der Bodenfeuchte über dem Erdkabel können nach derzeitigem Stand ausgeschlossen werden.

Wie werden die Erdkabel verlegt?

Bei Amprion wird standardmäßig die offene Bauweise für die Verlegung von Stromkabeln eingesetzt, da sie den größten Gestaltungsspielraum beim Bau bietet, um flexibel auf die örtlichen Anforderungen reagieren zu können. Sie ist zudem deutlich effizienter in Bezug auf Zeit und Kosten und damit meist die wirtschaftlichste Lösung. Daher setzen auch andere Netzbetreiber vornehmlich auf die offene Bauweise.

Welche Felder treten bei Gleichstromverbindungen auf? Welche Grenzwerte gelten für den Gesundheitsschutz?

Bei Verwendung von Gleichspannung und -strom entstehen sogenannte statische elektrische und magnetische Felder. Ein elektrisches Feld tritt an der Erdoberfläche durch die Isolation des Kabels und des Erdreichs nicht auf. Das magnetische Gleichfeld der Stromleitung liegt in der Größenordnung des statischen Erdmagnetfelds, welches in Deutschland etwa 50 Mikrotesla beträgt. Der Grenzwert für die magnetische Flussdichte bei Gleichstromfeldern liegt bei 500 Mikrotesla und ist in der 26. Verordnung zur Durchführung des Bundesimmissionsschutzgesetzes festgeschrieben. Die genaue Höhe der Gleichstromfelder wird im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens berechnet, sobald die technische Bauausführung feststeht. Weitere Informationen zum Immissionsschutz finden Sie auf der Webseite des Bundesamtes für Strahlenschutz.